Geschichte

 

Erfolgreich ist, wer sich wandelt, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren. Die TSG gehört seit 165 Jahren zum Leben in Darmstadt.

Möglichkeiten und Angebote haben sich in dieser Zeit ebenso gewandelt wie die Menschen, die unseren Verein ausmachen.

Außerdem hinterlassen Politik und Zeitgeschehen ihre Spuren. Und damit fängt die ganze Sache eigentlich erst an.

 

1816 - 1846

1816/1817

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Zeit zwischen dem Wiener Kongress (1815) und der deutschen Revolution (1848) ist eine Periode der politischen und kulturellen Bewusstwerdung des Bürgertums. Ein Ausdruck davon stellt die Gründung von Turnvereinen dar.

Fünf Jahre nach der Gründung des ersten öffentlichen Turnplatzes in Berlin durch den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn ist es auch in Darmstadt soweit. Zu den Aktiven an Reck, Sprungeräten, Klettergerüst und beim Fechten gehört auch der 1800 geborene Darmstädter Heinrich Felsing, ein Kupferstecher und -drucker.

November 1819

Das Turnen wird von der großherzoglich-hessischen Regierung verboten. Auslöser war der Mord an dem russischen Staatsrat August von Kotzebue durch den Turner und Burschenschaftler Karl Sand.

02.07.1843

In den höheren Lehranstalten Darmstadts beginnt wieder der Turnunterricht. Eine Turnanstalt für Knaben wird auf dem Turnplatz am alten Schießhaus an der Nieder-Ramstädter Straße eröffnet.

1844

Bei der Einweihung des Ludwigsmonuments auf dem Luisenplatz wird erstmals eine Turnerfahne gezeigt, welche die vier 'F' als Sinnbild für 'frisch, fromm, froh, frei' aufweist. Heinrich Felsing ist der Schöpfer dieses Symbols. Die Fahne wird 1846 der neu gegründeten Turngemeinde geschenkt. Knapp hundert Jahre später zählt sie zu den Verlusten des 2. Weltkrieges.

02.07.1846

 

Heinrich Felsing

Lindenhof

Unter Leitung Heinrich Felsings kommt es in einem Stübchen über der Kegelbahn der Brauerei „Zum Lindenhof“ zur Gründung der Turngemeinde zu Darmstadt. (Erster Vorläufer des heutigen Vereins)
Vorsitzender wird Heinrich Felsing. 25 Anwesende vernehmen seinen Ausruf: „Turner, es existiert eine Turngemeinde zu Darmstadt“. Sein markanter Vollbart wird in jener Zeit kritisch betrachtet. Beamte sind sogar verpflichtet, das Kinn frei von Bart zu tragen.
 

 

1847 - 1897

14.11.1847

Es kommt zu einem zeitweiliges Turnverbot und Auflösung des Vereins durch die Darmstädter Obrigkeit wegen angeblicher politischer Umtriebe, aber es wird doch weitergeturnt. Die Walter’sche Reitbahn in der Hügelstrasse wird für das Winterturnen angemietet. Sogenannte Redeabende finden in der Fey’schen Wirtschaft, Ecke Wilhelminen-Elisabethenstraße statt. Zur Sprache kommen nicht nur turnerische Angelegenheiten. Auch das Zeitgeschehen wird intensiv diskutiert. Aus Angst vor polizeilichem Zugriff wurden die Sitzungsprotokolle verbrannt.

bis 10.1848  

Nach vorübergehender Selbstauflösung gründet sich der Verein mit neuer Zielsetzung erneut. Motto: Leibliche und geistige Bildung für Jedermann. Eine Feurlöschkompanie wird von der Turngemeinde gegründet. Eine Turnordnung, sowie eine Rede- und Wehrordnung wird verabschiedet. Vorsitzender in dieser Zeit ist Dr. Zimmermann.

11.06.1849

Die Turngemeinde gründet die Freiwillige Turnerfeuerwehr als Nachfolger der Löschkompanie. Es kommt gleich darauf zu einem ersten Großeinsatz. 1852 wird beschlossen: Jeder Turner ist grundsätzlich auch Löschmann der Feuerwehr.

09.1854

Hofgerichtsrat Dr. Zimmermann, der seit 1848 die Turngemeinde führte, tritt ab, und Heinrich Felsing übernimmt erneut die Führung des Vereins. Turnen und Politik sollten nun nach seiner Ansicht getrennt sein.

27.09.1859

Wegen des erneuten Fehlens einer eigenen Turnhalle für das Wintertraining erlaubt der Stadtvorstand die Mitbenutzung der städtischen Turnhalle ab Januar 1860.

13.10.1860

Die Hauptversammlung stimmt der Einführung von Bajonettier- und Fechtübungen zu.

 

06.06.1862

Bei einer Mitgliederzahl von 300 wird 1861 eine Vergrösserung des Turnplatzes an der Roßdörfer Straße nötig. Im Folgejahr kann der Verein seinen neuen Turnplatz auf einem Grundstück am Kleinen Woog jenseits der Stadtmauer einweihen.

03.01.1863

Heinrich Felsing verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf den Vorsitz. Dr. Ludwig Büchner (Bruder des Dichters Georg Büchners) wird sein Nachfolger, der sich nun 1. Sprecher des Vereins nennt.

01.04.1863

Zusammen mit neun benachbarten Gemeinden bildet die Turngemeinde den Main-Rhein-Gau. Das erste Verbandsturnfest findet in Darmstadt am 4.9.1864 statt.

1864

Wegen der politischen Krise mit Dänemark gründen die Turner eine Wehrmannschaft. Sie besteht bis 1869. nach oben

11.06.1865

Die TG Bessungen wird gegründet („Constituierung eines Turnvereins in Bessungen“).

30.07.1865

Ca. 2000 Turner nehmen am 5. Mittelrheinischen Kreisturnfest in Darmstadt auf dem Exerzierplatz teil.

05.1866

Turnhalle am Woog Die Turngemeinde zieht in eine neu erbaute Halle am Kleinen Woog ein. Sie dient jedoch zunächst als Lazarett für die Verwundeten des Krieges gegen Österreich. Die Einweihung erfolgt dann aber am 25.11. Die Turngemeinde hat nun 500 Mitglieder.

01.1867

Eine Singmannschaft wird gegründet.     

1868

Die Turngemeinde bildet ein Turner-Sanitäts-Corps, das als „fliegendes Corps“ im Krieg gegen Frankreich (1870-71) eingesetzt wird.

A. Ohly23.02.1872

In der Woogsplatzturnhalle findet die 1. Faschingskneipe statt. Ab 1873 ist A. Ohly Vorsitzender.

12.01.1875

Der 3. Darmstädter Turnverein, die Turngesellschaft Darmstadt (TG 75), entsteht.

29.3.1875

Heinrich Felsing stirbt und wird auf dem Alten Friedhof in Darmstadt  beerdigt. Die Darmstädter Turngemeinde und seine Freunde errichten ihm ein Grabmal auf dem alten Friedhof, das bis heute existiert (Grabnummer IH23).

07.1875

J. A. BernhardtDas 10. Mittelrheinisches Kreisturnfest findet in Darmstadt unter Beteiligung der Turngemeinde statt. Ab 1875 ist J. A. Bernhardt Vorsitzender.

1876

Dr. L. Büchner wird erneut Vorsitzender.

1880

Beim Männerturnen wird eine Altersriege für Freiübungen eingeführt.

18.08.1883

Die Turnerfeuerwehr der Turngemeinde wird selbstständig und agiert künftig unter dem Namen „Freiwillige Feuerwehr Darmstadt“.

Einladungskarte<br />
                    Kreisturnfest29.07.1893

21. Mittelrheinisches Kreisturnfest in Darmstadt, getragen von den drei Darmstädter Turnvereinen (Turngemeinde TG 46, Turnverein Bessungen, TG 75)

14.07.1894

Studententische Mitglieder der TG 46 rufen den Akademischen Turnerbund Alemania an der Technischen Hochschule Darmstadt ins Leben.

19.12.1894

Der Vorstand genehmigt die Satzung einer Zimmerschützen-Riege und das Schiessen mit Zimmerstutzen in der Turnhalle.

Einladungskarte 189631.05.1896

Die Turngemeinde feiert ihren 50. Geburtstag auf dem Paradeplatz. Sie hat 486 zahlende Mitglieder und 91 sogenannte Zöglinge (Jugendliche). Weibliche Mitglieder sind laut Satzung nicht zugelassen. Mitglied kann nur werden, dessen Vater bereits Mitglied ist. Die Vereinsbibliothek hat 1617 Bände, 4 Tageszeitungen und 8 Zeitschriften. Der Großherzog verleiht den Status einer juristischen Person, um dem Verein weiterhin Grunderwerb zu ermöglichen, da dieser Status jetzt Voraussetzung ist.

30.09.1896

Eine Altersriege für Turnen (Altersturnen) wird eingeführt.

10.11.1897

Es wird eine Frauenabteilung gegründet. Die Teilnehmerinnen turnen im dunklen Turnanzug bei geschlossenen Fensterläden mit bedecktem Hals und Knie. Der Eingang wird von einem Schutzmann gegen (männliche) Gaffer bewacht.
 

 

1898 - 1918

Andere Formen der körperlichen Bewegung werden beliebt. Neben das Turnen tritt zunehmend der Sport. In den Turnvereinen werden enstsprechende Abteilungen gebildet, die auch Mitglieder in den Dachverbänden der jeweiligen Sportarten werden. Der ausbrechende Konkurrenzkampf wird auf dem Rücken der (Volks-)Sportler ausgetragen. Wechselweise wird ihnen verboten, an den Wettkämpfen der Vereine beziehungsweise der Dachverbände teilzunehmen. Der Streit eskaliert und am 10.12.1922 kommt es zur sogenannten „reinlichen Scheidung“: Sportabteilungen in Turnvereinen müssen ihre Mitgliedschaft beim entsprechenden Sportverband kündigen, Mitglieder von Sportvereinen dürfen nicht gleichzeitig Mitglieder in Turnvereinen sein. Erst im Rahmen der NS-Gleichschaltung wird diese Trennung endgültig überwunden.

 

1898

Eine Splittergruppe der Turngemeinde gründet zusammen mit Mitgliedern anderer Vereine die Freie Turngemeinde Darmstadt 1898 aus Ablehnung gegen die ausgrenzenden „Politik“ der deutschen Turnerschaft gegenüber den neuen Sportarten. Sie wird Mitglied des Arbeiter-Turn-und Sportbundes.

15.07.1899

23. Gauturnfest in Roßdorf mit Faust- und Schleuderballvorführungen der TG 46. Gründung der Faustball-Abteilung im Verein, als älteste dieser Art im Turngau.

 

Turnhaus<br />
                  190206.10.1901

Wegen der längst zu kleinen Turnhalle wird ein Neubau am Woogsplatz beschlossen. Die Einweihung erfolgt am 06. Oktober 1901. Gleich darauf wird das Haus ein Raub der Flammen. Drei Tote sind zu beklagen. Der Neubau wird sofort in Angriff genommen mit erneuter Einweihung am 31.08.1902.

17.03.1902

Die Kegel-Abteilung wird gegründet.

 

30.11.1902

Das „Gesundheitsturnen“ wird an der Turngemeinde eingeführt mit Gründung einer Alters-Riege für diese Übungen.

 

28.10.1903

Großherzog Ernst Ludwig übernimmt die Schirmherrschaft der Turngemeinde.

 

Jubiläumskarte 1906

F. Schmeel

1906 

Die Turngemeinde feiert ihr 60-jähriges Jubiläum.

22.08.1906

Für das Turnen der Schülerinnen und Schüler werden besondere Abteilungen gegründet. H. A. Stiehler ist Vorsitzender.

K. Glässing, 1909

03.09.1909

Wegen des großen Interesses am Schwimmen kommt es zur Gründung einer Schwimm-Abteilung. Damit hält der „Sport“ Einzug bei der TG 46. Im Jahre 1912 entsteht trotz grosser Skepsis vieler Beobachter eine Riege für Schwimmerinnen, die jedoch bald viel Anerkennung findet. 

1912

K. Hof, Vorsitzender seit 1912.

05.06.1913

K. Hof,<br />
                Vorsitzender seit 1912Anlässlich des 12. Deutschen Turnfestes in Leipzig schließen sich die Darmstädter Turnvereine zur Darmstädter Turnerschaft zusammen.

 

02.08.1914

Zwei Schüsse fallen in Sarajewo – und nichts ist mehr, wie es war. Der Erste Weltkrieg bricht aus. Das Turnen kommt weitgehend zum Erliegen. Vorsitzender in dieser Zeit ist F. Krämer.

F. Krämer

Zweihunderfünfzig Mitglieder ziehen, oft mit anfänglicher Begeisterung, an die Fronten. Einundvierzig von ihnen sind Ende des Krieges tot.

 

1919 - 1945

1919

Der Krieg ist verloren. Die deutschen Monarchen haben keine Kronen mehr. Auch im „Volksstaat Hessen“ regiert jetzt das Volk. Leider dauert es nicht lange und schon werden wieder Kriegerdenkmäler enthüllt und markige Reden auf die Helden von gestern gehalten. Die Turngemeinde erholt sich von allem vergangenen Schrecken und nimmt den Turnbetrieb wieder auf.

 

Im Verein ist ein neuer Geist eingezogen. Der „Sport“ wird endgültig salonfähig. Am 14.3. wird die Leichtathletik-Abteilung gegründet. Die neue Sportart heisst 1919 noch „Volksturnen“. Mit Heinrich Müller und den Mitgliedern Engel und Bischoff werden die ersten Wanderwarte gewählt.

17.12.1919

Eine Geschäftsstelle wird für die laufenden Verwaltungsarbeiten gegründet. Sitz ist das Turnhaus. Der Verein weiht sein neues Freigelände am Finanzamt ein. Dr. P. Brückel ist Vorsitzender.

1920

Eine Fußball-Abteilung wird gegründet.
 

1921

Eine Wander-Abteilung wird gegründet. Heinrich Müller wird Gau-Wanderwart.

02.06.1921

Der Verein besteht 75 Jahre. Aus der „Turngemeinde zu Darmstadt“ ist über die „Turngemeinde Darmstadt“ die „Turngemeinde Darmstadt 1846“ geworden. Es sind nun 1381 Mitglieder in 10 Abteilungen: 1. Turnmannschaft, 2. Frauenturnen, 3. Jugendturnen, 4. Fechten, 5. Turnspiel, 6. Schwimmen, 7. Volksturnen, 8. Turnersingmannschaft, 9. Fußball, 10. Wandern.

1923

H. Kalbhenn ist Vorsitzender.

1924

Konservative Turnerkreise fordern auf dem Deutschen Turnfest in München eine „reinliche Scheidung“ zwischen Turnen und Sport. Danach dürfen Hand- und Fußballspieler, Leichtathleten und Schwimmer, die Mitglieder von Turnvereinen sind, an keinen Wettkämpfen von Sportvereinen teilnehmen. Umgekehrt sind Mitglieder von Sportvereinen ebenfalls ausgeschlossen, an Wettkämpfen teilzunehmen, die von Turnvereinen ausgerichtet werden.
Diese „Volkssportler“ aus den Darmstädter Turnvereinen, die diese Haltung ablehnen, gründen den Verein für Leibesübungen V.f.L. „Rot-Weiß“ 1924.

16.04.1924

Durch die Initiative des Turners Hans Bert wird eine Tennis-Abteilung gegründet.

Vereinszeitschrift 1<br />
                    (1924)01.10.1924

Die erste Ausgabe der „Vereins-Monatsschrift“ erscheint. Als Grund gibt der Vorstand an, „[…] daß zwischen den vielen Abteilungen unserer großen Familie und den unterstützenden Mitgliedern nicht die unbedingt nötige Verbindung und Fühlung bestehe. Ein jedes Mitglied […] muss wissen, was in unserer Turngemeinde geschieht […].“

28.11.1924

Eine Wintersport-Abteilung wird gegründet.

K. Becker23.07.1927

Das 33. Mittelrheinische Kreisturnfest wird in Darmstadt von der Darmstädter Turnerschaft abgehalten. K. Becker ist Vorsitzender.

1927

Sieben Mitglieder des Vereins für Leibesübungen (VfL)-Rot-Weiß Darmstadt gründen eine Kanuabteilung. Inspiriert von der Jugendbewegung wollten sie Möglichkeiten schaffen, Freizeit außerhalb der Stadt in der Natur zu verbringen. 1934 erfolgt der Zusammenschluss der Vereins mit der TG 1846.

 

Neues Gelände, Woogswiese

1928-1933   

Die Turngemeinde pachtet ihr neues Gelände auf der Woogswiese von der Forstverwaltung. Im September 1930 wird ein Plan des neuen Sportgeländes veröffentlicht. Maßgebend für die Verwirklichung ist Ludwig Graf. Aus Dank für seinen unermüdlichen Einsatz hat ihm der Verein einen Gedenkstein auf dem Gelände gewidmet.

1929

Dr. C. Conrad, 1930Baubeginn des Bootshauses in Erfelden durch die VfL-Rot-Weiß. Bereits nach einem Jahr Bauzeit folgt die Einweihung. Auch die TSG öffnet sich dem Kanusport. Heinrich Löffler ist der Initiator der Kanuabteilung.

1930

A. Buchbaum wird 1930 Vorsitzender. Ihm folgt nur zwei Jahre später Dr. C. Conrad. Er wird durch die NS-Sportverwaltung alsbald seiner Zuständigkeit enthoben.
 

1933/1934

Nach dem politischen Chaos am Ende der Weimarer Republik wählen die Deutschen in grosser Zahl die NSDAP, und  der Reichspräsident von Hindenburg bestellt Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler. Alle Bereiche des Lebens werden nun nach NS-Prizipien organisiert, auch der Sport. Unterschiedliche Interessen und Formen der Organisation  werden nicht mehr geduldet. Dafür sorgt in Darmstadt Gauleiter Jakob Sprenger  und sein „ausführendes Organ“, der Ortsgruppenleiter des Reichsbund für Leibesübung und jetziger Leiter der TSG 1846 (vormals Turngemeinde), Ministerialrat Otto Löwer. Über allem steht der Reichssportführer von Tschammer-Osten. Im Sinne einer Zentralisierung und Zwangsvereinigung von Vereinen nach den Vorstellungen der neuen Machthaber werden die Turngemeinde 1846 und der Verein für Leibesübungen V.f.L. „Rot-Weiß“ zusammengeschlossen unter dem Namen Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846.

05.1934

Eine Hockey-Abteilung entsteht durch Vereinswechsel einer geschlossenen Abteilung zur TSG 1846. Eine neu formierte Damen-Hockey-Elf absolviert im November 1935 ihr erstes offizielles Spiel in Heidelberg.

Vereinszeitschrift,<br />
                    193401.06.1934

Die Vereinszeitung erscheint neu unter dem Titel Die Leibesübung Monatsrundschau der Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846. Die Politisierung des Alltags, auch des Sports, wird im Titelblatt deutlich.

23.11.1935

Die Deutsche Turnerschaft wird in den Reichsbund für Leibesübung eingegliedert.

1936

In der Turnhalle in der Soderstrasse wird erstmals das Rollschuhlaufen erprobt. Das Interesse ist groß. Es kommt zur Gründung der Abteilung Eis- und Rollsport. Auf der Wiese vor der Woogsinsel wird im Juni 1937 eine Rollschuhbahn eingerichtet.

Tor der<br />
                JugendDie TSG 1846 feiert ihr 90-jähriges Jubiläum. Mit Hilfe des Reichsarbeitsdienstes wird das Gelände am Woog weiter für den Sport erschlossen. Als repräsentativer Eingang wird das „Tor der Jugend“ errichtet.

09.1937

Die Gleichschaltung des Turn- und Sportwesens wird vollendet. Die Vereine gehören zum Gau 13 (Südwest), Kreis 4 (Darmstadt / Groß Gerau), Ortsgruppe Darmstadt und verlieren ihre Namen. Vereinseigene Fahnen, Archive und Bibliotheken werden zentralisiert und in der Woogsturnhalle der TSG „sichergestellt“. Die Abteilungen werden als numerierte „Fachämter“ geführt.

1938

Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin holt die Mannschaft der TSG im Achter-Kanadier-Boot den 2. Platz.

18.10.1938

Auf Anordnung des Reichsportführers von Tschammer und Osten wird die Ortsgruppe umbenannt in Gemeinschaft für Leibesübungen (G.f.L.) Darmstadt.
 

02.11.1938

Die freundliche Stimmung, die das Bild vom Besuch von Tschammer und Ostens vermitteln will, hält offenbar nicht lange an. Rechts neben ihm stehen zum Empfang auf dem Luisenplatz Otto Löwer und ein Turnkind der TSG.

Löwer wird aus bisher unbekannten Gründen seines Amtes als Kreisführer des Kreises 4 des Deutschen Reichsbundes für Leibesübung enthoben.

04.1939

Nach einer 4 monatigen Erscheinungspause wird die Monatsrundschau der TSG umbenannt in „Bekanntmachungen“. In der Aprilausgabe stellt sich der SA-Sturmbannführer Rieke als neuer Führer der G.f.L. vor. Bemerkenswert ist, dass auf dem Titelblatt der Vereinszeitung kein politischer Hinweis mehr zu finden ist.

01.09.1939

Mit dem Kriegsausbruch kommt der Sportbetrieb weitgehend zum erliegen. Rieke kann nur noch verwalten. Bald ist auch von den ersten Kriegstoten in der Vereinszeitschrift zu lesen.

06.1942

Der langjährige Oberturnwart und spätere Technische Leiter (Vereins-Organisationsleiter) Karl Bischoff übernimmt die Leitung der G.f.L.

23.09.1943

Die Woogs-Turnhalle wird bei einem Bombenangriff ein Raub der Flammen mit allem Inventar. Mehrere Vereinsarchive, die hier untergebracht waren, verbrennen.

11.09.1944

Beim großen Luftangriff  auf Darmstadt, der Brandnacht, kommen etwa 12.000 Darmstädter ums Leben. Sie alle haben ein großes Grabmal auf dem Waldfriedhof. Unter ihnen sind 66 Mitglieder der TSG, vielfach Frauen, Kinder und Ältere. >>

 

1945

Nach zwölf Jahren liegt das sogenannte 1000-jährige Reich in Trümmern. Besatzungsrecht bestimmt jetzt den Alltag. Der Reichsbund für Leibesübung wird aufgelöst. Die Amerikaner verbieten zunächst den Sport.

Am 10.11. beantragt Karl Graß im Namen vieler ehemaliger Mitglieder bei der U.S.-Militärregierung die Wiederzulassung der Darmstädter Turn- und Sportgemeinde. Diese Erlaubnis wird erteilt für einen „Sportsclub of Darmstadt“. Federführend dabei sind: Georg Darmstädter, Adolf Eifler, Hans Jakob, Walter Kantenwein und Nikolaus Müller.

Eine Direktive der Militärregierung vom 17.12.1945 fordert von den deutschen Behörden alle Vereine, die vor der Kapitulation existierten, bis zum 01.07.1946 aufzulösen.

Dem wollen die ehemaligen TSGler zuvorkommen. Mit Mitgliedern der ehemaligen Freien Turngemeinde Darmstadt 1898 (diese war in der NS-Zeit aufgelöst worden) gründet man im Speisesaal des Lokomotiv-Ausbesserungswerks der Reichsbahn die Turn- und Sportvereinigung Darmstadt (TSV). Trotz aller Mühe kann die Auflösung nicht verhindert werden.

1949 - 1988

21.06.1949

In nunmehr „besseren“ Zeiten ergibt sich die Möglichkeit (auf Grund eines höchstrichterlichen Urteils) für ehemals grundbesitzende Vereine, diese Liegenschaften zurück zu erhalten, wenn sie wieder den ehemaligen Namen im Grundbuch annehmen – sich also wieder neu gründen. Dies wird nun im Haus der HEAG mit „Gästen“ der ehemaligen TSV vollzogen. 170 von 172 Anwesenden stimmen für die Neugründung. Name: Wie früher, Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846. Die Mitglieder der TSV werden in die TSG übernommen.

1950

Prof. Wilhelm Strahringer ist Vorsitzender.

Vereinszeitung, 195107.1951

Die erste Ausgabe der neuen Vereinszeitung "Nachrichten der Turn- und Sportgemeinde 1846 e.V." erscheint. Schriftleiter der monatlichen Vereinszeitung ist Theo Meister.

22.09.1951

Eine Rollschuhbahn mit Klubhaus kann auf dem Gelände der TSG errichtet und in Betrieb genommen werden.

1951/1952

Mit zehn neuen Rennbooten und einer dreißigköpfigen Mannschaft geht es bei den Kanuten unter der Leitung des Sportwarts Jakob Stuckert wieder steil bergauf.

1953

Eine neue Fahne der TSG 1846 wird geschaffen, um die verbrannte alte zu ersetzen.

1953

Mit dem großen Engagement von Emmi und Theo Groß beginnt eine lange Aufschwungphase im Kinderturnen.

22.03.1955

Die erste Übungsstunde einer Männergymnastik findet unter Übungsleiter Fritz Wehn im Ludwigs-Georgs-Gymnasium statt.

14.07.1955

Das 2. Hessische Landesturnfest findet in Darmstadt mit über 5.000 Teilnehmern statt.

02.06.1956

Der Verein besteht seit 110 Jahren. 22 Abteilungen bieten 2.200 Mitgliedern, was das Sportlerherz begehrt.

1958

Die Planung für den Bau einer neuen Turnhalle läuft an. Die Mittelbeschaffung gestaltet sich sehr schwierig. Bis zum Jahresende sind gerade mal 100.000 DM aufgebracht.

1960

Von der Abteilung Männergymnastik wird das Turnspiel Prellball eingeführt.

12.02.1961

Das Alterswandern wird von Altersturnern als eigene Betätigung eingeführt, d.h. neben der eigentlichen Wanderabteilung.

Entwurf<br />
                  der neuen Felsinghalle08.1966

Für den Verein stehen die Zeichen auf Wachstum. Der Bau einer neuen Halle wird begonnen. Namensgeber wird Heinrich Felsing, der Gründervater der späteren TSG. Zur Finanzierung verkauft der Verein u.a. sein Grundstück am Woogsplatz, wo das alte Turnhaus stand. Festliche Eröffnung am 09. Dezember 1967. Bausumme: 950.000 DM

1971

Geburtstage: Die Karneval-Abteilung wird im Februar 9x11 Jahre, der Gesamtverein im Juni 125 Jahre. Die TSG zählt 3000 Mitglieder.

1971

Anbau einer Gynastikhalle an die Felsinghalle.

1971

Die Karate-Abteilung entsteht durch den Wechsel einer kompletten Abteilung vom SV 98 zur TSG.

1972

H. Schieferdecker ist Vorsitzender.

28.03.1974

Auf der Jahreshauptversammlung befindet sich die TSG im Zenit ihrer Entwicklung: 3600 Mitglieder in 20 Abteilungen machen sie zum größten Sportverein in Darmstadt, darunter z. B. die Tennis-Abteilung mit 430 Mitgliedern, 8 Plätzen und 95 jugendlichen Spielern.

1974

Herbert Reißer ist Vorsitzender.

06.1976

Achim Vogt gründet mit Anderen in der Turn-Abteilung eine Trampolin-Gruppe.

03.1983

In der Turn-Abteilung wird ein Aerobic-Angebot eingerichtet.
 

1989 - 2006

 

1989

Die Eissporthalle an der Kastanienallee im Bürgerpark Nord wird auf Initiative der TSG errichtet. Der Verein wagt sich damit unter der Leitung von Herbert Reisser an ein Großprojekt, dass in den Folgejahren ganz wesentlich die Entwicklung des Vereins prägen wird.

1992

Die Frauenturnabteilung wird aufgelöst und in der Turn-Abteilung wiedereingegliedert.

1994

Horst Blechschmidt ist Vorsitzender.

1995

Die Stadt Darmstadt übernimmt die Eissporthalle der TSG inklusive aller Verbindlichkeiten.

1996

Als Folge der Übernahme der Eissporthalle durch die Stadt Darmstadt gerät die TSG in eine tiefe Krise. Die Halle war in Absprache mit dem Finanzamt als ein kommerzieller Betrieb vorgesehen, d.h. über die Vermarktung der Trainingszeiten fiel laufend Mehrwertsteuer an, die an das Finanzamt abzuführen war. Deshalb war dem Verein als Bauherr auch die beim Aufbau gezahlte Mehrwertsteuer für die Gewerke sofort erstattet worden. Bei einer Buchprüfung durch die Finanzverwaltung stellte diese jedoch fest, dass der Verein anfangs über zwei Jahre eine Eigennutzung hatte, für die keine gewerblichen Einkünfte entstanden waren, also auch keine Mehrwertsteuer. Dies führte nun zu einer Rückforderung des Finanzamts einschließlich Zinsen von 314.000 DM. Hinzu kam noch eine Kürzung der städtischen Sportförderung von 30.000 DM, weil auch die Stadt sparen musste. Würde kein „Wunder“ geschehen, wäre der Verein konkursreif.

13.07./14.07.1996

Mitten in der Krise feiert der Verein sein 150-jähriges Jubiläum. Die Reden zum Festakt im Kongresssaal des Luisencenters sind von dieser schwierigen Situation geprägt... >>

Einen umfassenden Rückblick hält Prof. Eckehart. G. Franz. Für sein Fazit stellt er die Frage nach dem Sinn der Beschäftigung mit Geschichte: „Wenn hier eine 'Moral aus der Geschichte' [...] gezogen werden kann, dann ist das angesichts der immer wieder lautstark beklagten Politik-Verdrossenheit [...] vielleicht die Mahnung, dass es nicht genug ist, 'frisch, fromm, fröhlich' zu turnen, sondern dass auch das 'frei' des alten Turnermottos dazugehört, und dass man diese Freiheit [...] immer wieder durch persönliches Engagement [...] verteidigen muss."
 

22.08.1996

Mit 240 Mitgliedern ist die Mitgliederversammlung des Vereins außergewöhnlich gut besucht. Beitragserhöhung und Eissporthalle sind die Hauptthemen. Nach heftigen Diskussionen auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Mai, werden im August Beschlüsse gefasst:

  1. Eine Sonderumlage von 100 DM ist von jedem erwachsenen Mitglied zu entrichten.
  2. Der Vereinsbeitrag wird für Erwachsene von 17 auf 20 DM erhöht. Für Kinder und Familien entsprechend.
  3. Ein hauptamtlicher Platzwart muss entlassen werden.
  4. Die Etatzuweisung an die Abteilungen wird bis auf weiteres gesperrt.
  5. Sanierungsausgaben werden trotz dringendem Bedarf zurückgefahren, da das Geld fehlt.
  6. Es soll eine Kostenarten-/Kostenstellenrechnung eingeführt werden, um dem Verbleib des Geldes auf die Spur zu kommen.

Unter diesen konkursabwendenden Bedingungen erklärt sich die bisherige Führungsmannschaft bereit, noch zwei weitere Jahre im Amt zu verbleiben: H. Blechschmidt, Vorsitzender; H. Seibert, Finanzen; H. Hof, Gelände; M. Schindler, Hallen; W. Häder, Schriftführer.

Die Vereinsprobleme schlagen auch in der Presse hohe Wellen: Darmstädter Echo, FAZ

01.1997

Die TSG hat noch 2500 Mitglieder

10.1997

Die japanische Kampfsportart Ninjitsu ist ein neues Angebot der TSG. Zum Trainingsprogramm gehören nicht nur die Schulung bestimmter Bewegungsabläufe, sondern auch Meditation, Atemübung und Akrobatik. Ende 2001 wird die Abteilung wieder geschlossen.

Frühjahr 1998

Zum Beginn der Freiluftsaison wird die Sanierung der Rollschuhbahn abgeschlossen. Neben einer neuen Lauffläche konnte hinter dem Funktionsgebäude eine kleine Trainingsbahn erstellt werden.

07.1998

Der Schatzmeister Heinz Seibert tritt nach über 20 Jahren Vorstandsarbeit zurück. Zum Dank für seine langjährige Arbeit wird er unter anderem zum Ehrenmitglied des Vorstands gewählt.

01.1999

Ein weiteres Jahr reduziert sich die Anzahl der Mitglieder. Zum 1. Januar sind es 2320.

03.1999

Um die Felsinghalle auch als Veranstaltungsort auch mit größerem Publikum (200 und mehr) nutzen zu können, steht eine umfangreiche Sanierung an. Die geschätzten Kosten sind dabei so hoch, dass der Vorstand auch über den Bau einer neuen Halle nachdenkt. Im März 1999 werden die Arbeiten in Angriff genommen. Die Felsinghalle muss für einige Monate geschlossen werden.

06.1999

Ab sofort erscheint die Vereinszeitung nur noch zweimonatlich, um Kosten zu sparen.

11.1999

Der multimediale Fortschritt ist auch beim Verein nicht aufzuhalten. Die TSG ist nun im Internet. Kai Lewerenz hat sich bereit erklärt, die erforderlichen Arbeiten zu übernehmen und auch die Betreuung zu gewährleisten.

2000

Auch das neue Jahrtausend bringt Veränderung bei der TSG. Mit Badminton etabliert sich erfolgreich und langfristig ein neues Angebot. Im Finanzbereich sind Vereine erstmals berechtigt, selbst Spenden anzunehmen. Der Umweg über die Stadt entfällt somit. Ein neues Spendenkonto wird bei der Sparkasse Darmstadt eingerichtet.

07.2000

Die TSG macht mit der bisherigen Führung weiter: Horst Blechschmidt (Vorsitz), Hans Hof, Lutz Merker, Manfred Schindler (Stellvertreter), Eduard Kollar (Schatzmeister), Wolfgang Häder (Schriftführer).

05.2001

Die Stadt übernimmt das Grab von Emanuel Schmuck (1855-1926) als Ehrengrab. Schmuck war 1. Sprecher des Turmkreises Mittelrhein und auch Turner in der Turgemeinde 1846.

03.2002

Die Kanuabteilung feiert ihr 75-jähriges Jubiläum. Zeit für einen stolzen Rückblick auf eine lange Liste engagierter Mitglieder und erfolgreicher Sportler... >>

07.2002

Die Mitgliederversammlung wählt erneut Horst Blechschmidt zum Vorsitzenden – auch wenn dieser nur noch ein Jahr im Amt bleiben will. Er appelliert an Jüngere, auch Verantwortung im Vorstand zu übernehmen. Dem amtierenden Vorstand, so Blechschmidt weiter, würde es vielleicht an Mut zu radikaleren Veränderungen fehlen, wie die mögliche Fusionierung mit einem anderen Sportverein oder die „Ökonomisierung des Sportbetriebs“. Entgegen mancher Hoffnungen treten er, der Schatzmeister Eddi Kollar und der Beisitzer Ingulf Radtke im Juni 2003 zurück.

06.2003

Auf Vorschlag des Vorsitzenden und des Jugendsekretärs und nach kontroverser Diskussion wird Petra Kaiser zur Nachfolgerin von Horst Blechschmidt gewählt. Manfred Schindler, Hans Hof und Wolfgang Häder bleiben als erfahrene Vorstandsmitglieder im Amt.

01.2004

Die Vorsitzende Petra Kaiser legt ihr Amt nieder.

06.2006

Die Kandidatensuche für einen neuen Vereinsvorstand ist erfolgreich. Im Juni werden gewählt: Helmut Nikolaus (Sport und Öffentlichkeitsarbeit), Peter Rüttger (Finanzen), sowie Wolfgang Häder (Schriftführer). Die Position des 1. Vorsitzenden bleibt weiterhin vakant.

Gleichzeitig werden unterhalb der Führungsebene Fachwarte gebildet, die durch besondere Kompetenz die Arbeit der Vereinsleitung unterstützen sollen.